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Nach dem BEF ist vor der Auseinandersetzung

Die eigentliche Führungsfrage nach dem BEF lautet nicht «Welche KI nutzen wir?», sondern «Wer hat die Spielregeln geschrieben?» Drei Fragen, die jede Unternehmensführung beantworten sollte.

Jürg Plüss stellte die entscheidende Frage nicht auf der Bühne. Er stellte sie beim Mittagessen.

Das Business Excellence Forum in St. Gallen war vorbei, die Keynote abgehakt. An den Tischen liefen die Gespräche weiter, lockerer, direkter, konkreter. Man spürte, wie der Impuls der letzten Stunden in die eigenen Überlegungen einsickerte. Und dann, fast beiläufig: «Was mach' ich jetzt daraus im Alltag?»

Diese Frage begleitet mich seither.

KI ist kein Werkzeug mehr

In meiner Keynote habe ich eine Frage ins Publikum gestellt: Wer hat in Ihrem Unternehmen die Regeln für Ihre KI geschrieben? Nicht die technischen Parameter, sondern die Werte, die Grenzen, die Prioritäten. Wer haftet, wenn ein Agent falsch entscheidet?

Die meisten Führungskräfte können das nicht sofort beantworten. Kein Vorwurf, aber ein wichtiger Befund. KI-Agenten sind inzwischen weit mehr als Werkzeuge. Sie schreiben E-Mails, buchen Termine, analysieren Kundendaten und treffen dabei laufend kleine Entscheidungen, auf Basis von Regeln. Aber wessen Regeln?

Wer diese Frage nicht bewusst beantwortet hat, lässt sie trotzdem beantworten, nur nicht von sich selbst. Der Anbieter, das Modell, der Entwickler des Tools: Sie alle schreiben gerade mit an den Spielregeln Ihrer Organisation.

Erst der Überbauungsplan, dann die Hochhäuser

Die Antwort liegt nicht in mehr Technologie. Sie liegt in der Reihenfolge.

In Dubai gibt es beeindruckende Gebäude. Aber bevor das erste gebaut wurde, existierte ein Stadtplan: Wo darf gebaut werden? Wie hoch? Welche Infrastruktur muss vorher stehen? Wer den Plan weglässt und einfach zu bauen beginnt, bekommt ein Chaos, egal wie elegant die einzelnen Gebäude sind.

KI-Einführung folgt derselben Logik. Vier Fragen, von oben nach unten:

1. Was soll mein Unternehmen in fünf Jahren können?
2. Wo übernehmen Menschen, wo Automatisierung, wo KI?
3. Welche Daten stehen zur Verfügung, und wie verlässlich sind sie?
4. Erst dann: Welche Tools, Modelle und Anbieter passen dazu?

Die meisten Unternehmen starten bei Punkt vier. Das ist wie das Hochhaus ohne Stadtplan.

Was mach' ich jetzt daraus im Alltag?

Jürg Plüss hat die richtige Frage gestellt. Ich gebe sie zurück, mit drei konkreten Einstiegspunkten:

Frage 1: Wer hat zuletzt entschieden, welche KI-Tools eingeführt werden, und auf Basis welcher Kriterien?

Frage 2: Wenn Ihre KI morgen eine falsche Entscheidung trifft: Wer bemerkt es? Wie lange dauert es?

Frage 3: Haben Sie einen Plan für Ihre KI-Architektur, oder bauen Sie gerade das erste Hochhaus?

Keine dieser Fragen verlangt sofort eine vollständige Antwort. Aber sie verdienen eine Auseinandersetzung, am besten intern, mit allen Beteiligten.

Fazit

Architekt oder Passagier: Das ist keine IT-Entscheidung. Es ist eine Führungsentscheidung, die sich nicht delegieren lässt.

Das Entscheidendste am BEF passierte nicht auf der Bühne. Es passierte beim Mittagessen, als Jürg Plüss seine Frage stellte. Der nächste Schritt ist keine weitere Präsentation, sondern eine Diskussion im eigenen Haus.

Wenn Sie diese Diskussion intern anstossen möchten, stehe ich gerne als Sparringpartner zur Verfügung.

Wie ein strukturiertes KI-Betriebssystem für Ihr Unternehmen aussehen kann: KI-Betriebssystem für KMU.

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